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11.02.2020 Presseinformation

WKS-Konzept – Ein Stück Hilfe zur Selbsthilfe

Jeder Mensch hat ein Recht darauf, die Regie in seinem Leben zu führen. Damit Menschen mit Behinderung so selbstbestimmt wie mög-lich leben können, arbeitet die Lebenshilfe in ihren stationären Einrichtungen zukünftig nach dem WKS-Konzept. Das Kürzel steht für die Initialen des Niederländers Willem Kleine Schaars, der es entwickelt hat.

© Lebenshilfe/David Maurer

Viele Einrichtungen der Behindertenhilfe im In- und Ausland wenden die Methode bereits an. Was das Modell so erfolgreich macht? „Willem Kleine Schaars ist ein Pionier. Sein Konzept ist ein Stück Hilfe zur Selbsthilfe“, sagt Ulrich Gaßmann, pädagogischer Geschäftsführer der Lebenshilfe. Damit Menschen mit Behinderung eigenverantwortlicher leben können, müssen die Begleiter ihre eigene Sichtweise ändern. Denn eine Haltung, die andere bevormundet, fördert die Abhängigkeit der begleiteten Menschen. „Wir müssen Ihnen mehr ver- und zutrauen, und darüber zugleich Verantwortung übernehmen“, sagt Gaßmann.

Aber wie können Menschen mit Behinderung ihren Alltag eigenverantwortlicher gestalten ohne überfordert zu werden? Wie können Betreuer sie bestmöglich unterstützen? Antworten auf diese Fragen liefert Willem Kleine Schaars mit seinem Betreuungsmodell. Dabei lernen Menschen mit Behinderung selbst zu entscheiden und die Grenzen ihrer Selbstbestimmung herauszufinden. Für den Einen fängt sie beim Schmieren des Butterbrots an, für den Anderen bei der Ordnung im eigenen Zimmer. Jedem Bewohner werden dazu zwei persönliche Begleiter zur Seite gestellt, die unterschiedliche Rollen einnehmen.

Der Alltagsbegleiter kennt den Klienten, leistet die praktische Unterstützung im Alltag und trifft Absprachen. Der Prozessbegleiter unterstützt die Kommunikation und Beziehung zwischen Alltagsbegleiter und Bewohner, um Probleme bei der Einhaltung getroffener Absprachen zu erkennen. Er äußert dabei jedoch keine eigene Meinung und überlässt die Lösung von Problemen den Beteiligten selbst. Schritt für Schritt lernt der Bewohner, in einem festgesteckten Rahmen Verantwortung zu übernehmen. Die klare Definition der Aufgaben soll es anderen Teammitgliedern erleichtern, die Entwicklungsprozesse der Bewohner erfolgreich zu unterstützen.

Für die Lebenshilfe ist das WKS-Konzept auch eine Antwort auf die Frage, wie sie zukünftig das Bundesteilhabegesetz umsetzt, das mehr Teilhabe und Selbstbestimmung für Menschen mit Behinderung vorsieht. Um die Methode in die einzelnen Einrichtungen zu tragen, bildet die Lebenshilfe pädagogisches Fachpersonal zu WKS-Trainern aus. Federführend übernimmt Marion Maxfield, Leiterin des Wohnverbunds Langenfeld, die Steuerung der Umsetzung. Die Lebenshilfe will das Modell sanft in kleinen Schritten in die Praxis umsetzen, um einem großen Ziel näher zu kommen: mehr Selbstbestimmung für Menschen mit Behinderung.